30./31. Mai 2008
Gewittersturm richtet in Reichelsheim und Umgebung große Schäden an.
Die Nacht vom 30. auf 31. Mai werden die Reichelsheimer so schnell nicht vergessen. Begonnen hatte alles mit einem kräftigen Gewitter, das große Mengen Regen und Hagel mit sich brachte. Innerhalb kurzer Zeit waren die Feuerwehren im Einsatz und pumpten vollgelaufene Keller im Neubaugebiet leer. Doch noch während dieser Einsatzserie kam es schlimmer, als es je ein Reichelsheimer Bürger gesehen hatte. Die von Südosten heranziehende Gewitterfront gab dem Begriff "Pechschwarz" eine völlig neue Definition. Ein Gewittersturm sorgte für Wassermassen, die keine Kanalisation schaffen konnte. Innerhalb kurzer Zeit stürzten ungeheure Regenmengen herab. Blitze blieben sekundenlang in der tief hängenden Wolkendecke stehen. Orkanartige Böen entwurzelten Bäume oder rissen Äste und Zweige von den Bäumen. Das Resultat dieses Gewittersturmes lässt sich einem Artikel kaum wiedergeben. Entlang des Ortenbergsgraben zwischen Reichelsheim und Heuchelheim wurden nahezu alle Bäume entwurzelt und stürzten um. Auch das Heuchelheimer Wäldchen wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Zwei umstürzende Bäume beschädigten abgestellte PKWs. Ein riesiger Nussbaum wurde von dem Sturm entwurzelt und stürzte auf ein Hausdach. Es gab in Reichelsheim und den Ortsteilen kaum noch einen Keller, der nicht unter Wasser stand. Am schlimmsten getroffen hatte es die Reichelsheimer Goethestraße und die angrenzenden Straßenzüge. Hüfthoch stand hier teilweise das Wasser. In Weckesheim glichen die Gärten zwischen Mittelgasse und Wiesengasse einer Seenplatte. Groß ist auch die Zahl der beschädigten Hausdächer. Die Schäden reichen von vereinzelt fehlenden Ziegeln bis hin zu abgedeckten Dächern.
Die Feuerwehren waren anfangs kaum Herr der Lage. Für eine solche Katastrophe ist es kaum möglich Geräte in entsprechender Anzahl vorzuhalten. So mussten die meisten Bürger sich selbst helfen. Doch die viele sahen es gelassen. Man hat sich gegenseitig eben selbst geholfen so gut es ging. Die Reichelsheimer Feuerwehren waren bis in die frühen Morgenstunden mit dem Auspumpen von Kellern und dem Beseitigen umgestürzter Bäume beschäftigt, die Straßen und Verkehrswege versperrten. Unterstützung bekamen die Reichelsheimer Wehren von den Feuerwehren aus Gettenau, Bingenheim, Ossenheim und Rockenberg. Während die Einsätze in den anderen Ortsteilen weitgehend vom Feuerwehrhaus in Weckesheim unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Michael Paulencu geleitet wurde, musste in Reichelsheim eine eigene Koordinationsstelle für die rund 70 gemeldeten Einsatzstellen eingerichtet werden. Hierzu stellte ein Funkamateur seine Amateurfunkstelle bzw. deren Antennen zum Anschluss der Feuerwehrfunkgeräte zu Verfügung. Nur so konnten alle in Reichelsheim eingesetzten Kräfte erreicht werden.
Am nächsten Tag zeigte sich das ganze Ausmaß des Sturmes. Auch die Feuerwehren waren ab acht Uhr wieder im Einsatz. Was zunächst mit kleiner Mannschaft abgearbeitet werden sollte, machte letztendlich doch eine Alarmierung aller Kräfte notwendig. Immer wieder gingen neue Meldungen ein über Keller, die leer zu pumpen waren und Bäume, die in gefährlichen Schräglagen von den Eigentümern entdeckt wurden. In Reichelsheim und Weckesheim wurde die Horlofftalbahn von den umgestürzten Bäumen befreit. Viel Zeit nahm der auf ein Haus gestürzte Nussbaum in der Bingenheimer Straße in Anspruch, der mit Hilfe der Bad Nauheimer Drehleiter soweit zurück geschnitten wurde, dass keine weitere Gefahr mehr von ihm ausging.
Das Wetter hielt die Menschen, vor allem aber auch mehr als 140 Feuerwehren der Region in Atem. Die Zentrale Leitstelle Wetterau in Friedberg hatte bis Samstagfrüh mehr als 400 Notrufe zu koordinieren. "Die 112 war dauernd besetzt" berichten viele Bürger. Vor allem die Gemeinden Altenstadt, Florstadt, Wölfersheim, Reichelsheim und Echzell waren betroffen. Für die Reichelsheimer Feuerwehren ging am Samstag Abend ein rund 24-stündiger Einsatz zu Ende.
Ein Gutes hat das Unwetter allerdings gehabt: Viele Nachbarn haben sich näher kennengelernt und sich gemeinsam geholfen. Niemand war alleine. Samstags und sonntags sah man immer wieder Nachbarn in Gruppen stehen und sich über das Erlebte unterhalten. Über eins sind sich alle einig, die hier schon viele Jahre wohnen: "Das haben wir hier noch nie erlebt!".
Text: Alexander Hitz
Bericht und Bilder auf den Seiten des Kfv Wetterau