von Burkhard Kampschulte

Die Fünfziger

1952 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Heuchelheim auf Initiative des Bürgermeisters Rudolf Lemp, der bereits seit 1945 die Pflichtfeuerwehr leitete und der nun erster Kommandant und Ortsbrandmeister der neuen Wehr wird.

Rudolf Lemp, Ortsbrandmeister - Herbert Velten, Stellvertreter - Werner Kölsch, Maschinist

Mitglieder:

Hermann Dauernheim, Karl Arndt,  Gert Barth, Willi Kölsch, Rolf Becker, Hans Oder, Karlheinz Schultheiß, Arthur Weitz, Horst Oder, Friedrich Diefenthäler, Dieter Sauer, Helmut Bahlk, Paul Weitz, Kurt Schultheiß, Erhard Schönfelder, Hans Toth, Gerhard Bielke, Hans Schmidt, Bruno Klingbeil, Erwin Lemp, Lothar Dauernheim, Günter Aust, Eugen Lindt, Dieter Bärsch, Rolf Veith, Gerhard Pfeffer, Ernst Lemp.

1953 Das erste große Feuerwehrfest findet am 25.-27. Juli statt. Zwei Anlässe gibt es zum Feiern, die Gründung der Feuerwehr und die Einweihung des neuen Gerätehauses.

Herzlich willkommen in Heuchelheim in der Wetterau

Allen Wehren und Feuerwehrmännern sowie allen Gästen, die an dem Feuerwehrfest in Heuchelheim teilnehmen, entbiete ich ein herzliches Willkommen! 28 Jahre sind vergangen, seitdem in Heuchelheim überhaupt das letzte Fest stattgefunden hat. Um so mehr wurde von den Dorfbewohnern und der Gemeindevertretung geeifert, um das Dorf für dieses Ereignis in einen würdigen Rahmen zu bringen. Den Gästen soll in jeder Hinsicht Vollgültiges gezeigt und geboten werden.

Es ist daher auch mein und der Gemeindevertretung innigster Wunsch, dass der "Freiwilligen Feuerwehr Heuchelheim" ein froher Verlauf ihres Festes beschieden sei. Möge die Wehr aufblühen und gedeihen zu unser aller Nutz und Frommen, getreu ihrem Grundsatz: .Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!"

Lemp, Bürgermeister

Am 16. Januar 1954 findet dann die erste „ordentliche Generalversammlung“ für das Jahr 1953 statt. Zur Vorbereitung trifft sich der Vorstand am Vorabend im Ratssaal zu einer Sitzung. Die „Generalversammlungen“, die später nach einer neuen Satzung einfach Mitgliederversammlungen genannt werden, finden in der Regel in den letzten Dezembertagen des betreffenden Jahres oder in einer der ersten Januarwochen des Folgejahres statt. So ist es bis heute geblieben. Die Generalversammlung beschließt mit knapper Mehrheit (12 Ja, 8 Nein, 3 Enthaltungen), im Februar 1954 erstmals einen Familienabend zu veranstalten.

Das neue Spritzenhaus in Heuchelheim

Die Gemeinde besaß ein uraltes Spritzenhaus, welches den Anforderungen modernen Fortschritts nicht mehr genügte. Dieses alte "Spritzenhäuschen" stand an der Hauptstraße direkt vor dem derzeitigen neuen Gerätehaus. Es war im Jahre 1803 erbaut worden und das älteste Gebäude dieser Art im Kreise Büdingen. Im Mai 1951 wurde beschlossen, das alte Spritzenhaus auf Abbruch zu verkaufen und in zwei Bauabschnitten während der Jahre 1952/53 ein neues zu erbauen. Beim Verkauf des alten Hauses wurden aber nur 60 DM geboten. Daraufhin besann sich die Gemeindeverwaltung eines besseren und machte den Vorschlag, aus dem alten Gebäude eine Leichenhalle zu erstellen.

Der Vorschlag wurde vom Staatsbauamt gutgeheißen, und so wurde das ehemalige Gerätehaus in derselben Form und Art auf dem Friedhofe verjüngt aufgestellt. Auf dem Balken über der Tür befindet sich folgende Inschrift:

1. Zeile: DAS GERICHT - FRIEDRICH JAKOB WEIZ - HENRICH KRUG -NICKLAUS WEIZ - CONRAD SCHLEUNING - GEORG FINCK UND JAKOB KR (weitere Schrift unleserlich).

2. Zeile: DISES SPRIZENHAUS IST ERBAUET WORDEN - ANNO 1803 - VON DEM BURGERMEISTER JOHANNES VEIT UND JO (unleserlich).

Die Gemeinde kaufte den 1905 erbauten Teil der Scheune aus dem Gehöfte Krug (derzeitiger Besitzer Rudolf Lemp) und baute denselben zum neuen Gerätehaus der Feuerwehr aus. Im Erdgeschoß befindet sich der Aufbewahrungsraum für das Löschfahrzeug nebst den dazugehörigen Löschgeräten. In der linken hinteren Ecke dieses Raumes ist der Schlauchturm mit einer Winde zum Trocknen des benutzten Schlauchmaterials eingebaut. Rechts neben dem Geräteturm befindet sich der Aufgang zum Schulungsraum der Feuerwehr.

Dieser wurde im I. Stock über dem Geräteraum ausgebaut. Außerdem ist die Feuerwehr mit einer modernen Alarmanlage ausgerüstet. Auf dem Dach wurde eine Sirene angebracht, welche im Gefahrenfall die Männer der Freiwilligen Feuerwehr rasch zusammenrufen und zum Einsatz bringen kann. Das Gerätehaus ist nach den derzeitig neuesten und modernsten Bestimmungen ausgebaut worden. Es ist eine Zierde und ein Schmuckstück für das ganze Dorf.

(aus der Festschrift zur Gründung der FF Heuchelheim, 1953)

Neue Wehr in neuen Kleidern

Vergleicht man die Fotos von Feuerwehren im Landkreis Büdingen in den 50er Jahren, so fällt die Heuchelheimer Wehr durch die einheitliche Uniform auf. Auf Initiative von Bürgermeister Lemp hatte die Gemeinde Heuchelheim die Dienstkleidung für alle Aktiven angeschafft – damals durchaus keine Selbstverständlichkeit. Der neu gegründeten Feuerwehr kam nicht nur die Personalunion von Bürgermeister und Wehrführer zugute, sondern auch die dank des Bergbaus gute Haushaltssituation der Gemeinde.

Blaue Drillichanzüge mit Jacke, Hose und Kappe kleideten den Feuerwehrmann beim Einsatz und auf Festen. Ein praktischer Schlips, bereits fertig gebunden und aus unverwüstlichem Kunststoffmaterial gehörte dazu. Gummiband unter den Kragen und den Clip eingehakt – fertig. So konnte auch die Feuerwehr Heuchelheim am textilen Fortschritt der 50er Jahre teilnehmen. Schuhe und ein weißes Hemd musste jeder selbst beisteuern. Trotzdem fiel das einheitliche Erscheinungsbild der Heuchelheimer auf und machte großen Eindruck auf dem Büdinger Feuerwehrfest 1953.

1954 Die Generalversammlung beschließt, ab jetzt auch die passive Mitgliedschaft zu ermöglichen. Gleichzeitig werden disziplinarische Maßnahmen eingeführt: Wer in 6 Monaten dreimal unentschuldigt fehlt, wird passives Mitglied! Im Januar 1955 soll eine Tanzveranstaltung in der Gastwirtschaft Glück-Auf stattfinden. Der Eintritt soll für Fw-Mitglieder frei sein, für deren Angehörige soll er 1 DM bei freiem Tanz betragen. Außerdem wird ein Omnibusausflug an die Mosel geplant.

Für 5 DM passives Mitglied

Ohne Geld läuft nichts! Das wussten die Heuchelheimer Feuerwehrleute schon im Jahre 1954. So kam man auf die Idee, passive Mitglieder könnten helfen, die Kasse aufzubessern. Geschäftstüchtig beschloss man deshalb auf der Jahresversammlung, künftig für einen Jahresbeitrag von 5 DM auch passive Mitglieder in die Feuerwehr aufzunehmen.

1955 Sehr selten gibt es Hinweise auf Konflikte in den Protokollen und wenn doch, dann ohne Hinweise auf die Hintergründe. 1955 scheint es einmal ernsthaft geknirscht zu haben. Im Oktober gibt es deshalb eine außerordentliche Generalversammlung mit dem einzigen Punkt „Gewährleistung des Feuerschutzes in der Gemeinde“. Im Protokoll steht: "Auf Grund eines besonderen Vorfalles, zu dem allgemeine Arbeiten der Feuerwehr zu Gunsten der Gemeinde Anlass gaben, stellte der Kommandant Rudolf Lemp sein Amt zur Verfügung." Doch nach einer Rede des Kreisbrandinspektors wird über die Vertrauensfrage abgestimmt und das einstimmige Ergebnis veranlasst Rudolf Lemp, weiter Kommandant zu bleiben.

Alarm – es brennt!

Weder Funk noch Sirene gab es in den ersten Jahren der Heuchelheimer Feuerwehr. „Wer sah, dass es irgendwo brennt, fuhr halt hin!“, berichten die Aktiven der ersten Stunde. Ob die Wehren an der Brandstelle wirklich mit dem Ruf der „aalen Busicher Wiehr“ eintrafen: „Das is user Fauer!“ ist nicht klar überliefert. Alarmiert wurde, wenn überhaupt, durch den Hornisten. „Der war das wichtigste Mitglied der Feuerwehr“ heißt es heute. In vielen Orten war der Hornist gleichzeitig der Polizeidiener, der auch öffentliche Ankündigungen und Aufrufe verlas, nachdem er sich durch ein Hornsignal angekündigt hatte. Piepser, Sirene und Telefon rufen heute die Feuerwehrleute zum Einsatz. Für die Ankündigungen gibt es den „Stadtkurier“, dessen Logo noch an den letzten Ausrufer erinnert, der noch bis in die 60er Jahre in Heuchelheim seinen Dienst tat.

1956 Die Generalversammlung findet diesmal erst im Mai 1956 statt. Der Kommandant heißt jetzt "1. Vorsitzender und Ortsbrandmeister". Manche Punkte scheinen bis heute unverändert geblieben zu sein, denn "der Ortsbrandmeister appellierte zunächst an alle Feuerwehrmänner, im kommenden Jahr die Übungen besser zu besuchen." Im Januar soll eine Tanzveranstaltung in der Gastwirtschaft "Zur Wetterau" stattfinden. "Man hofft dadurch, ... nicht zuletzt die schwache Kasse aufzubessern". Ab jetzt findet sich der Punkt "Wintervergnügen" in allen Generalversammlungen wieder. Jährlich zur Faschingszeit wird eine Tanzveranstaltung in einer Gaststätte organisiert.