von Burkhard Kampschulte

Die Siebziger

1970 "Trotz der erheblichen Ausgaben bei der vereinsinternen Veranstaltung weist das Konto auf der Haben-Seite weiterhin ein Plus auf", berichtet der Kassenführer. Das nächste Wintervergnügen soll ein öffentlicher Maskenball sein. Ein Antrag, den Beitrag für die passiven Mitglieder zu erhöhen und für die Aktiven zu senken, wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Bürgermeister Heiber berichtet, dass die Gemeinde Mittel für den Neubau eines Gerätehauses zur Verfügung gestellt habe.

1971 Am 5. Februar beschließt die Mitgliederversammlung, am 13. Februar die alte Scheune im ehemaligen Schulhof in eigener Regie abzubrechen, um Platz für den Neubau eines Gerätehauses zu schaffen.

Das neue Gerätehaus

Nach fast zwei Jahrzehnten hatte das Gerätehaus an der Hauptstraße ausgedient. Die Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs war längst geplant und so musste auch eine neue Unterkunft für die Feuerwehr geschaffen werden. Als Standort wurde der Platz neben der Schule gewählt. Dort besaß die Gemeinde eine Scheune, an deren Stelle das neue Feuerwehrhaus entstehen sollte.

Ein Architekt wurde beauftragt. Er lieferte einen Entwurf, dessen Realisierung mit ca. 200.000 DM Baukosten jedoch zu teuer erschien. Die Fa. Lupp bot eine kleinere Alternative etwa zum halben Preis und erhielt den Auftrag. Der Abriss der Scheune sollte in Eigenarbeit von der Feuerwehr besorgt werden.

Alles war geplant. Am Samstagmorgen wollte man beginnen, als sich am Vorabend doch noch unvorhergesehene Hindernisse ergaben. Auf der turnusgemäßen Sitzung des Gemeinderates am Freitagabend wurden plötzlich schwere Bedenken gegen den Abriss in Eigenregie vorgetragen. Das Unfallrisiko sei nicht abgedeckt. Niemand könne die Verantwortung tragen. Es gebe keinen Versicherungsschutz.

Der Beginn des Neubaus schien plötzlich in weite Ferne zu rücken, hätte sich Wehrführer Velten nicht beherzt über die Bedenken hinweggesetzt. Wie geplant, begann die Feuerwehr am Samstagmorgen mit dem Abbruch der alten Scheune. Als Folge der Gemeinderatssitzung ging man vielleicht etwas vorsichtiger zu Werke. Die Dachziegel wurden abgetragen, das Fachwerkgerüst mit Seilen umgezogen. Die Balken wurden auf die Mülldeponie in Reichelsheim gefahren. Am Abend wurde die Arbeit bis zum nächsten Samstag unterbrochen. Dann wurde der restliche Bauschutt aufgeladen und weggefahren. Ohne Unfall, ohne Verzögerung und zusätzliche Kosten war der Weg frei für den Neubau. Vermutlich war nicht nur die Feuerwehr sondern auch der Gemeinderat froh über dieses Ergebnis. An nachträgliche Kritik kann sich jedenfalls niemand erinnern.

1972 Die Feuerwehr macht einen Ausflug zum Frankfurter Messegelände, um die Ausstellung "Roter Hahn" zu besichtigen. Anschließend besucht man den Freigehegepark bei Wallerstädten. Der Ausflug war offensichtlich ein Erfolg, denn am Ende des Jahres beschließt die Mitgliederversammlung, im nächsten Jahr wieder eine Fahrt zu veranstalten.

Hochwasser

Lokale Überschwemmungen nach heftigen Gewittergüssen gab es öfter einmal in den 70er und 80er Jahren. 1972 war jedoch die ganze Region betroffen. Nach anhaltenden Regenfällen war ein Teil des Bergwerks zwischen Dorn-Assenheim und Heuchelheim vollgelaufen. Alle Feuerwehren der neuen Stadt Reichelsheim waren im Einsatz, um das Wasser aus dem Tagebau zu pumpen. Anschließend gab die Stadt zum Dank ein Essen in der „Post“, zu dem allerdings nur die Reichelsheimer Feuerwehrleute eingeladen wurden. Die Heuchelheimerwaren deshalb richtig sauer. Mindestens ein Feuerwehrmann soll noch am Abend den Dienst quittiert und seine Uniform abgegeben haben.

1973 In diesem Jahr führt der Ausflug an die Mosel. Auf der Mitgliederversammlung wird "erörtert, die Bewohner des Neubaugebietes zwecks aktiver bzw. passiver Mitgliedschaft zu werben."

1974 Im Rahmen der Feuerschutzwoche findet eine Übung im Neubaugebiet statt. Gleichzeitig werden die Neubürger von Heuchelheim mit einer Briefaktion angesprochen, in die Feuerwehr einzutreten. Die Mitgliederversammlung beschließt eine neue Satzung. Die Beiträge sollen künftig durch Bankeinzug eingesammelt werden.

1975 Gemeinschaftsübung in Heuchelheim - Ausflug mit Besichtigung der Licher Brauerei - Brand im Gehöft Schultheiß im Sommer

1976 Die Feuerwehr bekommt ein neues Fahrzeug! Am 27. Februar wird es bei der Fa. Ziegler in Giengen abgeholt. Die offizielle Übergabe des TSF durch Bürgermeister Steffan findet am 21. März statt. Das neue Auto ist mit einer TS8/8 ausgestattet und zusätzlich mit einem Schaumrohr und Zumischer für die Ölbrandbekämpfung.

Der Fortschritt zieht ein mit einem neuen TSF!

Die Heuchelheimer Wehr erhielt endlich ein neues Löschfahrzeug. Am 27. Februar 1976 wurde es feierlich übergeben. Die Feuerwehr hätte diesen Anlass lieber noch mehr gefeiert. Bürgermeister Stefan war jedoch der Meinung, die Fahrzeugübergabe sei eher eine Sache der Gemeinde als eine Angelegenheit der Feuerwehr. Deshalb traf man sich am Sonntagmorgen in kleinerer Runde mit ca. 40 Gästen am Gerätehaus um den neuen Ford Transit offiziell in Empfang zu nehmen.

Es gab damals viele Gemeinden in Hessen, in denen die Feuerwehren noch kein Fahrzeug hatten. Viele von ihnen erhielten 1976 im Rahmen einer größeren Landesbeschaffung einen fahrbaren Untersatz für ihre Spritzen. Das Heuchelheimer Fahrzeug wurde von der Fa. Ziegler in Giengen ausgerüstet. Herbert Velten und Rolf Winter waren eigens mit dem Zug dorthin gereist und hatten das TSF abgeholt. Ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Heuchelheimer Feuerwehr hatte begonnen.

Die Feuerwehr hat 82 Mitglieder, davon 25 Aktive. In diesem Jahr findet das Kreisfeuerwehrfest in Dorn-Assenheim statt. Gleichzeitig wird dort auch die Gemeinschaftsübung durchgeführt.

1977 Die Heuchelheimer Feuerwehr wird 25 Jahre alt. Aus diesem Anlass wird ein Jubiläumsfest am 16. und 17. Juli veranstaltet. Auf dem Programm steht am Samstag ein Kommersabend mit anschließendem Tanz, am Sonntag Vormittag eine Schauübung und die Geräteausstellung, nachmittags ein Umzug und anschließend das Fest im Schulhof. Alle Gründungsmitglieder werden geehrt. Es gibt Urkunden, Anstecknadeln und 2 Flaschen Wein im Geschenkkarton.

"Zur Nachfeier des 25-jährigen Jubiläums im Gasthaus Lemp werden 73 Personen erwartet. 2 Spanferkel stehen zur Verfügung. Ein 50-l-Bierfass wird aufgelegt. Auf Wunsch können auch alkoholfreie Getränke ausgegeben werden" (Vorstandsprotokoll 15. 08. 77). Damit ist dieses ereignisreiche Jahr noch nicht zu Ende. Zum Kreisfeuerwehrfest geht es diesmal nach Nidda. Und die Gemeinschaftsübung findet im Rahmen der Feuerschutzwoche in Weckesheim statt.

Das erste Sommerfest

1977 wurde die Heuchelheimer Feuerwehr 25 Jahre alt. Natürlich sollte dieser Anlass festlich begangen werden. Samstag abends wurde ein Kommers veranstaltet, zu dem zahlreiche Ehrengäste eingeladen waren. Die Bewirtung der Gäste, das Zelt, der festliche Rahmen, das alles war nicht umsonst zu haben.

Man merkte schnell: so ein Fest kostet Geld. Das sollte verdient werden durch ein Gartenfest am Sonntag mit Ausschank, Grill und Weinlaube. Das Konzept ging auf. Die Kosten konnten gedeckt werden und das Fest gefiel allen gut. Im nächsten Jahr hatte der Landfrauenverein Heuchelheim 10jähriges Jubiläum. Ein zweites Mal feierte man wie im Jahr zuvor. Eine neue Tradition war begründet. Seitdem hat das Heuchelheimer Gartenfest in jedem Jahr stattgefunden, abwechselnd veranstaltet von der Feuerwehr und den Landfrauen. Im Jahr 2002 fand das 25. Sommerfest statt. Da die Resonanz immer noch gut ist, sei dem Leser empfohlen, sich auch in den nächsten Jahren das letzte Juni-Wochenende zu reservieren, um mit den Heuchelheimern zu feiern.

1978 Der Vorstand schließt eine Versicherung für die Feuerwehrleute ab, die jährlich 1 DM pro Mitglied kostet. Die Feuerwehr übernimmt das Kühlaggregat aus der Gemeinschaftsgefrieranlage, die im April aufgelöst wird. Der Nebenraum des Gerätehauses wird zum Kühlraum umgebaut. Die Heuchelheimer Bürger können hier Speisen und Getränke kühlen. Jede Nutzung kostet 10 DM für jeweils 3 Tage und 0,50 DM pro kWh.

Kühle Getränke und frische Steaks

Zwanzig Jahre lang hatte die Gemeinschaftskühlanlage in Heuchelheim ihren Dienst getan, als die „Gefriergemeinschaft“ Anfang der 70er Jahre aufgelöst wurde. Als Verein hatte man sich zusammengeschlossen, um die Gefrierfächer im Haus von Paul Weitz zu nutzen. Die Verbreitung eigener Kühltruhen in den Haushalten ließ die Attraktivität der Gemeinschaftsanlage schwinden. Technische Schwierigkeiten, im wesentlichen Dichtprobleme, gaben dann den Anlass, den Betrieb der Kühlanlage einzustellen und die Aggregate zu demontieren.

Die Feuerwehr nutzte die Gelegenheit, um das Kühlaggregat aus dem Vorkühlraum im Gerätehaus einzubauen. So entstand, frisch gekachelt, der Kühlraum im Feuerwehrhaus. Jeder Heuchelheimer konnte ihn benutzen. Natürlich verlangte die Stadt eine Gebühr dafür. Arthur Weitz ist bis heute für die finanzielle Abwicklung zuständig. Er kassierte 10 DM pro Nutzung und 50 Pf für jede Kilowattstunde.

Auch diese gute Idee verlor im Lauf der Jahre ihren Reiz, da immer mehr Haushalte eigene Kühlgeräte anschafften. Heute wird der Kühlraum nur noch selten für private Zwecke benutzt, zumal im Dorfgemeinschaftshaus zwei komfortablere Kühlräume zur Verfügung stehen. Nur beim jährlichen Sommerfest ist auch der alte Kühlraum voll mit Getränken und Grillfleisch. Dann leistet das alte Kühlaggregat immer noch gute Dienste. Vielleicht hält es ja noch durch bis es 50 wird!

Der Landfrauenverein Heuchelheim feiert sein 10jähriges Bestehen. Die Feuerwehr überreicht eine Kaffeemaschine und einen Tischwimpel als Geschenk und steht für weitere Arbeiten zu diesem Jubiläum zur Verfügung, soweit sie dazu gebraucht wird".

Am 10. September gibt es einen Brandeinsatz beim Großfeuer in Beienheim Die Heuchelheimer Feuerwehr hat 104 Mitglieder, davon 26 Aktive. Die Mitgliederversammlung beschließt "mit großer Mehrheit, im kommenden Sommer wieder für die Heuchelheimer Bevölkerung ein kleines Fest zu veranstalten." In diesem Jahr gibt es zwei Gemeinschaftsübungen, im Mai in Beienheim bei der Firma Roth und am 14. Oktober am Flugplatz Reichelsheim. An dieser Übung ist auch das DRK Weckesheim beteiligt und 3 Löschzüge des Katastrophenschutzes Wetteraukreis.

1979 „Das Sommerfest war wie vor 2 Jahren ein großer Erfolg." (Protokoll der Vorstandssitzung vom 8. September)