von Gerd Kever-Bielke anlässlich des JF-Jubiläums 2002

 

Im Jahre 2001 gab es in Deutschland, nach Zahlen des Deutschen Jugendfeuerwehrverbandes, 16.670 Jugendfeuerwehren mit 251557 Mitgliedern. Das bedeutet, dass durchschnittlich in jeder Jugendfeuerwehr 15 Mitglieder sind, Betreuer nicht mitgerechnet. Auf den ersten Blick eine stolze Zahl. Aber in den letzten Jahren hat die Zahl der Jugendfeuerwehren abgenommen, auch im Wetteraukreis. Das besonders bedauerliche daran ist, dass es nicht an dem schwindenden Interesse der Jugendlichen liegt, sondern weil in den meisten Fällen keine Jugendwarte mehr zur Verfügung standen und von den aktiven Feuerwehrleuten keine oder nur unzureichende Unterstützung kam. Das ist kurzsichtig! Nicht nur weil aus dem Kreis der Mitglieder der Jugendfeuerwehren die meisten späteren aktiven Feuerwehrleute kommen, sondern weil über das Feuerwehrwesen hinaus die Jugendfeuerwehr, besonders auf dem Land, eine besondere Rolle einnimmt.

Die Angebote einer guten Jugendfeuerwehr beschränken sich nicht nur auf die Vermittlung von feuerwehrtechnischem Wissen, sondern bietet ihren jugendlichen Mitgliedern Freizeitgestaltung und die Vermittlung von sozialen Werten an. Sich ehrenamtlich für andere zu engagieren, als Gruppe und nicht nur individualistisch zu agieren, sind Eigenschaften, die in der heutigen Leistungsgesellschaft zunehmend verloren gehen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Heuchelheimer Jugendfeuerwehr auch in den nächsten Jahren in dieser Hinsicht ihre positive Entwicklung fortsetzt.

Die Gründung
Feiert man ein Jubiläum eines Vereins, einer Firma oder einer anderen Institution, orientiert man sich an einem offiziellen Datum. Das Gründungsdatum der Heuchelheimer Jugendfeuerwehr ist eindeutig feststellbar. Es ist der 26.06.1982. Mit diesem Datum bestätigte der Deutsche Jugendfeuerwehrverband, dass in Heuchelheim eine Jugendfeuerwehr besteht. Bevor aber der letzte Schritt zur endgültigen Gründung getan werden konnte, gab es für die Gründungsmitglieder einige Steine aus dem Weg zu räumen. Hajo, (Hans-Joachim Sauer) der erste Jugendwart berichtet, dass bereits vor der Gründung Jugendliche, die für die Aktive Feuerwehrtruppe noch nicht alt genug waren, immer wieder den damaligen Vorstand zu Aktivitäten gedrängt hätten. Karl Heinz Guth hat dann mit der Gruppe einige Übungen abgehalten. "Die Gründungsmitglieder belagerten dann die Oberen, bis die Festung sturmreif war". Endlich auf einer Hauptversammlung im Jahre 1981 wurde die Gründung der Jugendfeuerwehr beschlossen. Endlich konnte die Truppe loslegen.

Die Gründungsmitglieder
Jörg Wetzstein, Reinhard Vogt, Peter Vogt, Holger Schmidt, Sahin Mustafa, Ismail Mustafa, Rainer Leineweber, Jens Guth, Thomas Geyer, Uwe Bieber, Oliver Bieber und Norbert Bauer

Jugendfeuerwehr "außer Dienst" - Sport+Spiel
Die Heuchelheimer Jugendfeuerwehr war vor allem eins: COOL. Sie unterschied sich von den anderen Wehren, indem man auf ein gesundes Gemisch aus 2/3 Sport + Spiel und 1/3 feuerwehrspezifischen Dienst setzte. Zu der Rubrik Sport gehören die vielen Sportwettkämpfe (Spiel ohne Grenzen), Besuche auf der Rollschuhbahn in Hanau, und vor allem die legendären Baseball-Spiele auf dem Bolzplatz.

Ausflüge ins USA-Wellenbad, dem Phantasialand in Brühl und die organisierten Videonachmittage, Zeltlager, Besichtigungen und Kinobesuche runden den Bereich Sport+Spiel ab.
 
Zum Bereich Sport gehören auch die Sportwettkämpfe unter dem Titel "Spiel ohne Grenzen". Seit Beginn der
Jugendfeuerwehr haben die Heuchelheimer mit unterschiedlichem Erfolg teilgenommen. Durchschnittlich nahm und nimmt die Jugendfeuerwehr an drei bis vier Wettkämpfen pro Jahr teil. Früher konnte nur eine Mannschaft,
bestehend aus sechs Jugendlichen gestellt werden, heute, da Woche für Woche weit über zwanzig Mitglieder begrüßt werden, nehmen meist zwei Mannschaften an den Wettkämpfen teil. Der erste große Erfolg wird aus dem Jahre 1991 gemeldet. Bei einer besonders großen Veranstaltung in Rosbach, an der über 100 Mannschaften teilnahmen, konnte ein beachtlicher 2. Platz erreicht werden. Zwei Jahre später gelang in Dorn-Assenheim der nächste große Wurf: Die Heuchelheimer Jugendfeuerwehr siegte. In den Jahren danach wurden unterschiedliche Ergebnisse erreicht, immer jedoch stand und steht der Spaß im Vordergrund. Vieles hängt sicherlich auch von der Tagesform ab, denn nur wenige Monate nach dem zweiten Platz in Rosbach schaffte die Heuchelheimer Mannschaft in Rodheim immerhin den 30. Platz - von 30 Mannschaften.

Anfang bis Mitte der neunziger Jahre war es sowieso nicht so wichtig welchen Platz man in der Gesamtabrechnung belegte, wichtig war nur: Man musste die beste Stadtteilmannschaft sein.

Vieles konnte passieren, schlechte Noten, Freundin oder Freund weg, Ärger mit den Alten, alles zu ertragen, aber wenn die Reichelsheimer oder Weckesheimer einen besseren Platz belegten, dann war nicht nur der Tag sondern die ganze Woche versaut. Aber das ist Vergangenheit, wie vieles andere auch.

Im Jahre 2000 feierte die Altenstädter Jugendfeuerwehr 30 jähriges Jubiläum. Die Kreisjugendfeuerwehr veranstaltete aus diesem Anlass einen Sportwettbewerb. 34 starke Mannschaften traten an. Die Heuchelheimer natürlich auch. Acht Aufgaben mussten bewältigt werden. Neben spielerisch/sportlichen Aufgaben wie Ballonstechen, Sackhüpfen oder Murmelsuchen in einem Notwasserbehälter, mussten auch feuerwehrtechnische Wettkämpfe bestritten werden. Große Geschicklichkeit verlangte das Zielwerfen mit 15m C- Schläuchen, gute Kenntnisse über Knotenkunde wurde bei einem anderen Spiel gefragt. Am frühen Nachmittag, fand dann die Siegerehrung statt. Dann die Überraschung: Die Heuchelheimer gewannen den Kreisjugendfeuerwehr-wettbewerb.

Aus diesem Beispielen wird deutlich, dass bei den Wettbewerben, ob sie nun Spiel ohne Grenzen oder Sportwettkämpfe heißen, immer ein Gemisch aus spaßigen, sportlichen und feuerwehrspezifischen Aufgaben zu erfüllen ist.

Der nächste Wettbewerb kommt bestimmt.

Jugendfeuerwehr "außer Dienst" II— Ausflüge und Zeltlager
Neben den regelmäßigen Ausflügen in Freizeitparks und Schwimmbäder .kommt seit 1999 das Zeltlager der Jugendfeuerwehr eine besondere Bedeutung zu. In Kirchvers, einem Zeltplatz des Hessischen Jugendfeuerwehr-Verbandes, stehen hervorragende Bedingungen zur Verfügung. Ein ausgedehntes Gelände lässt sowohl Übungen wie auch jede Menge Spiele zu. Eine Großküche erleichtert die Versorgung und ein Freizeitbereich steht, besonders bei schlechtem Wetter, zur Verfügung. In der näheren Umgebung befindet sich ein Freibad und viel Wald mit Wanderwegen. Am Lagerfeuer wurde abends immer beisammen gesessen, geredet, Stockbrot gebacken oder man startete eine Nachtwanderung. Neben den vielen gemeinsamen Spielen wurde aber auch dem feuerwehr-spezifischen Teil genügend Raum zuteil. Neben theoretischen Vormittagen wurden Übungen auf dem Gelände durchgeführt.

Bei den bisherigen Zeltlagern bewährte sich vor allem das Küchenteam. Dreißig ausgehungerte Mägen wollen mindestens dreimal am Tag gefüllt werden. Im Zeltlager 2000, wurde von Daniela Mayer sogar Morgengymnastik angeboten.

Die gemeinsamen Zeltlager waren immer, für die Mitglieder/innen der Jugendfeuerwehr eine intensive Erfahrung, die sich sehr positiv auf die vielen weiteren Treffen und Übungen in der Folgezeit auswirkte. Daher sollen auch in Zukunft solche gemeinsamen Fahrten beibehalten werden.

Übungen und Unterrichte
Bisher haben wir viel über die Freizeitaktivitäten der Jugendfeuerwehr gelesen. Jetzt wollen wir über die vielen Unterrichte und Übungen berichten, die Monat für Monat abgehalten werden. Am Anfang der Jugendfeuerwehr wurden, wie jetzt nach zwanzig Jahren auch, im Sommer Übungen abgehalten und im Winter Unterricht. In den Unterrichten wird den Mitglieder/innen der Jugendfeuerwehr all das beigebracht, was eine junge Feuerwehrfrau oder ein junger Feuerwehrmann wissen sollte. Das sind besonders die Unfallverhütungsvorschriften, das richtige Umgehen mit dem Feuerwehrmaterial und das richtige Verhalten bei den Übungen. Wie funktioniert das Ankuppeln, was ist ein B – u. ein C-Schlauch. Warum sollen immer zwei Leute an einem Strahlrohr stehen. Welche Aufgaben kommt dem Angriffs- Wasser - oder Schlauchtrupp zu. Manchmal ist so ein Unterricht etwas zäh und nach der Schule, abends, wenn man womöglich auch noch eine Menge Hausaufgaben gemacht hat, kann es schon sehr schwer fallen wieder etwas zu lernen. Deshalb ist es den Jugendlichen aus der Feuerwehr hoch anzurechnen, dass sie sich hier immer wieder engagieren.

Ganz klar, trotz aller Disziplin, Jugendwart und alle Feuerwehrmitglieder/innen freuen sich wenn es endlich wieder nach draußen geht, zu den Übungen.

Sprühstrahl.....bloß kein Vollstrahl
Ökologisch und auch ökonomisch bewusst war die Jugendfeuerwehr schon immer. So wurden in der Regel die meisten Übungen "trocken" ausgeführt. Nur im Sommer, dann wenn es besonders heiß war, begab man sich auf den Bolzplatz um "Nassübungen" durchzuführen. Aber immer geschah etwas seltsames, egal wie die Manöverlage aussah, ob Flächen-, Wald- oder Hausbrand nach kurzer Zeit bestand die gesamte Jugendfeuerwehr nicht mehr aus Angriffs,- Wasser,- oder Schlauchtrupp sondern aus zwei gegnerischen Mannschaften die Völkerball ganz neu mit C- und B-Rohren interpretierten. Kein Wunder also, dass Hajo meist zwischen die Fronten geriet, wenn er das Schlimmste verhindern wollte denn "Sprühstrahl....bloß kein Vollstrahl" Platsch.

Bei den Übungen werden verschiedene "Brandlagen" angenommen. Einmal brennt eine Scheune, dann ein Feld oder ein Wohnhaus steht im Vollbrand. Da gilt es schnell, aber ohne Hektik die Schläuche auszurollen, den Verteiler zu setzen, das Standrohr zu stellen. Dann kann man beweisen, ob man im Unterricht auch zugehört hat. Aber uns vom Jugendwartteam ist wichtig, dass auch die Übungen nie in unnötigen Ehrgeiz zwischen den Teams ausartet. Eine wichtige Botschaft ist, die wir immer wieder vermitteln, jeder soll jedem helfen.

Große helfen kleineren Mitgliedern beim Kuppeln oder tragen der Schläuche. Bestimmte Handgriffe werden gezeigt und gemeinsam geübt. Es ist uns wichtig, über das Lernen und Üben hinaus, noch zu vermitteln, dass auch solidarisches Handeln besonders wichtig ist. Dass man anderen, die noch nicht so weit sind, hilft, dass man sein Wissen weitervermittelt und nicht als "Macht" für sich behält.

Am Ende einer jeden Übungssaison steht die so genannte Abschlussübung der Heuchelheimer Jugendfeuerwehr und eine Gemeinschaftsübung aller Reichelsheimer Jugendfeuerwehren. Bei den Gemeinschaftsübungen nehmen nicht nur alle fünf Stadtteiljugendwehren teil, sondern auch das Jugendrotkreuz aus Weckesheim. Um all diese unterschiedlichen Jugendwehren unter einem Hut zu bekommen und auch noch das Jugendrotkreuz sinnvoll einzusetzen, ist ein hohes Maß an organisatorischem Aufwand nötig. Die Jugendlichen wissen im Voraus, wann die Übung angesetzt ist, aber wo, was und wie geschieht, erfahren sie erst vor Ort.

Ähnlich sieht es bei der Jahresabschlussübung aus. Am Ende eines Sommers, wird am letzten Übungstermin vor der Winterpause, immer eine komplexe Einsatzsituation geplant, damit alles Gelernte noch einmal in der Praxis geübt werden kann.

Bei der Abschlussübung im Jahre 1999 zum Beispiel, wurde mit einigem Aufwand ein Brandobjekt gebaut. Die damalige Übungssituation hieß: Wohnhaus in Vollbrand, Flammen drohen auf den Bauhof und gelagertes Altholz überzugreifen. Natürlich hatte die Jugendfeuerwehr nach kurzer Zeit auch dieses Problem schnell unter Kontrolle und es hieß: Feuer gelöscht, Wasser halt.

Liebe Eltern
wenn sie sich einmal darüber informieren wollen, wie viel oder was ihre Kinder so in der Jugendfeuerwehr treiben, dann kommen Sie doch einmal bei so einer Übung vorbei.

Jugendfeuerwehr in Zahlen
Nach der Gründung im Jahre 1982 waren die Mitgliedszahlen bis zum Jahre 1988 recht stabil, dann verringerten sie sich kontinuierlich bis auf zwei Mitglieder im Jahre 1991. Für das Jahr 1992 liegen keine Berichte über irgendwelche Aktivitäten vor. Ein Jahr später, nach einem Neuanfang, konnten 11 neue Mitglieder begrüßt werden. Die Entwicklung ist weiterhin positiv. Im Jahre 1994 wurden die ersten Mädchen begrüßt, die Mitgliedszahlen stiegen auf 15. Den höchsten Stand gab es im Jahre 2000 mit 23 Jugendfeuerwehrleuten. Ende 2001 zählten 21 Mädchen und Jungen zu der Heuchelheimer Jugendfeuerwehr.

Die Jugendfeuerwehr im Jahre 2002

Die Jugendfeuerwehr im Jahre 2005

 

 

Seitenanfang